Der Fall des Herrn W.

Der damals zwanzigjährige Herr W. wurde zum Psychiatrieopfer, nachdem er am 01.03.1998 aufgrund einer Fehldiagnose (eine angebliche akute Psychose) in die geschlossene Abteilung der psychiatrische Klinik Winnenden zwangseingeliefert wurde. Dort wurde er bis zum 15.05.1998 gegen seinen Willen mit Neuroleptika behandelt.

Die für die Einweisung herangezogene Diagnose akute Psychose, sowie die Abschlussdiagnose Borderline Syndrom sind mittlerweile durch verschiedene Ärzte mehrfach widerlegt.

Darauf hin versuchte die Klinik in einer beispiellosen Zermürbungstaktik sich ihrer Verantwortung zu entziehen, indem sie dem Betroffenen bzw. dessen Anwalt und Gutachter die Einsicht in die Behandlungsunterlagen verweigerte und somit für die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen notwendigen Beweismittel zurückhielt. Erst der Beschluss des Amtsgerichts Waiblingen vom 15.11.2005 schob dem Vorgehen der Klinik einen Riegel vor.

Leider sind Fälle wie dieser keine Seltenheit, wie z.B. auch die bundesweit bekannt gewordenen Fälle Klaus-Peter Löser und Vera Stein zeigen. Experten schätzen, dass es in Deutschland einige tausend Geschädigte gibt.

Im folgenden sind diverse eingescannte Dokumente aufgeführt, anhand denen Sie sich selbst ein Bild von dem Fall machen können.

Übersicht

Aktuelle Kurz-▄bersicht: (pdf-Datei, 711 KB vom 13.09.2010)
Hinweis: Der Name des Betroffenen wurde zum Schutz dessen Persönlichkeit unkenntlich gemacht.

Gro▀mutter Schreiben der Großmutter des Betroffenen vom 27.04.1994
Darin wird unterstellt, er würde unter einer Psychose leiden.
Langhoff Nervenärztliche Atteste von Dr. med. Jürgen Langhoff vom 22.10.1998 und 23.03.1999
Widerlegen die gestellte Diagnose.
Befund Radiologischer Befund von Dr. med. Wolfgang Reichardt vom 28.07.1999
Ritter Bescheinigung von Amtsarzt Dr. med. Knut Ritter vom 29.07.1999
Bei der Untersuchung vom 21.05.1999 konnte keine psychiatrische Erkrankung festgestellt werden.
Paschotta Auszüge eines Gutachtens, welches der Kläger in Auftrag gegeben hat.
Auch dieses Gutachten widerlegt die gestellte Diagnose.
Akteneinsichtsrecht Schreiben von Dr. med. Fleischmann vom 29.07.1999
Verweigerung der Einsichtnahme in die Behandlungsakte.
Diese teilweise Herausgabe der Behandlungsunterlagen erfolgte erst auf Druck des Landesverbands Psychiatrieerfahrener e.V..
Die Klinik hat sich nach eigenen Angaben in der Zwischenzeit von Herrn Dr. med. Fleischmann getrennt.
Krankenakte Teile der Krankenakte vom 15.05.1998 und 30.11.2000:
Entlassungsbericht, Laborbefunde und Med.Blatt/Kardex
Zu diesem Zeitpunkt verweigerte die Klinik noch eine vollständige Herausgabe der Unterlagen - in der Hoffnung, sich auf diese Weise den zivil- und strafrechtlichen Folgen ihres Handelns entziehen zu können.
Die darin gestellten Diagnosen sind mittlerweile mehrfach widerlegt.
AOK
Schreiben der AOK vom 23.12.1999.
Die Krankenkasse des Betroffenen verweigert die Zusammenarbeit und mauert - wohl aus Angst vor zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen. Denn die AOK war in soweit Tatbeteiligt, als dass sie die Behandlung des Betroffenen gegen dessen Willen und trotz fehlen eines Behandlungsvertrags finanziert hat.
Obwohl der Betroffene der AOK sämtliche Unterlagen in Kopie aushändigte, sah die Kasse bis jetzt keinen Grund, ihre Rückforderungsansprüche für gezahlte Leistungen in Höhe von etwa 10.000 EUR gegenüber der Klinik geltend zu machen.
Als Gipfel der Dreistigkeit forderte die AOK den Betroffenen in weiteren Schreiben mehrfach dazu auf, seinen "Eigenanteil" für die Behandlung zu bezahlen, was dieser aber konsequent verweigerte.
Klageschrift Klageschrift zwecks Akteneinsicht vom 18.05.2005.
Der Rechtsanwalt des Klägers reichte diese Klage bereits knapp ein Jahr zuvor ein. Erst nach erneuter, persönlicher Einreichung der Klageschrift unter Zeugen wurde der Fall vom Amtsgericht Waiblingen bearbeitet.
Nachtrag zur Klageschrift vom 12.08.2005
Vergleich Beschluss des Amtsgerichts Waiblingen vom 15.11.2005
Aufgrund der geltenden Rechtslage war die Klink letztendlich gezwungen in der mündlichen Verhandlung vom 02.11.2005 einem Vergleich zuzustimmen. Dieser beinhaltet die Herausgabe der seit nunmehr sieben Jahren unter Verschluss gehaltenen Behandlungsunterlagen an den vom Kläger beauftragten Gutachter.
Schwenk
Stellungnahme der Diplom-Psychologin Eva Schwenk. Sie entlarvt die Diagnostik als unwissenschaftlich und willkürlich. Die Reizbarkeit, Wut und die Unsicherheiten des Herrn W. waren bezogen auf die ihm entgegengebrachten Einstellungen und Handlungen seiner Angehörigen. Ferner stellt sie klar, dass die von einem Psychiater verwendeten Begriffe zur Beschreibung psychischen Verhaltens und Erlebens eines Menschen keine psychiatrische Diagnose begründen.

Auszüge aus der Behandlungsakte

Wer den ernsten Hintergrund dieser Posse nicht kennt, könnte glatt vermuten, dass es sich hierbei um eine Satire handelt. Eine alte Hausfrau stellt nicht nur auf Basis der Fernsehzeitschrift "Hör Zu" eine psychiatrische Diagnose, sondern ordnet auch gleich den Freiheitsentzug und die Zwangsbehandlung mit starken Neuroleptika für ihren Enkel an. Ärzte machen sich zu willigen Vollstreckern. Die AOK Stuttgart bezahlt für diese "Behandlung" über 10.000 Euro ohne den Fall zu prüfen.

Aussage_Gro▀mutter
Telefonische Aussage der Großmutter des Betroffenen vom 09.03.1998, entnommen aus der Behandlungsakte. Daraus geht eindeutig hervor, dass die medikamentöse Zwangsbehandlung auf Drängen der Großmutter geschah. Dass er an einer Psychose leide, wüsste sie aus der Zeitung "Hör Zu". Ferner behauptet Sie, ihr Enkel sei mit 15 Jahren schon einmal wegen einer Psychose in einer Klinik in Tübingen gewesen, was aber nur ihren Wahnvorstellungen entspring. Fakt ist, dass Sie damals schon einmal vergeblich versuchte, ihren Enkel einweisen zu lassen, die Ärzte seinerzeit aber keine psychiatrische Erkrankung feststellen konnten und sich auch nicht zu Erfüllern der kranken Fantasien einer alten Frau machen ließen.

Lalla

Handschriftliche Notiz der Stationsärztin Frau Dr. Lalla vom 16.03.1998. Diese hat sich von der Großmutter und dem Onkel des Betroffenen dazu erpressen lassen, ihm eine medikamentöse Zwangsbehandlung mit starken Neuroleptika zu verordnen. Als Rechtfertigung hierfür wurden dann die oben genannten Diagnosen erfunden.
Zwangsbehandlung
Am 30.03.1998 beschloss Dr. Härtig nach Rücksprache mit seinem Vorgesetzten Dr. Fleischmann, dem Willen der Großmutter des Betroffenen Folge zu leisten und ihm eine Zwangsbehandlung mit starken Neuroleptika zu verordnen. Bereits einen Tag später, am 31.03.1998 zeigten sich massive Nebenwirkungen: Das Opfer litt unter Müdigkeit, Schwindel und Schlundkrämpfen.
Nebenwirkungen
Die akuten Nebenwirkungen vom 31.03.1998 wurden ausführlich dokumentiert. Nur durch Gabe des Medikaments "Akineton" konnte die durch das Neuroleptikum verursachte akute Atemnot gelindert werden.
Schuldfrage
Notiz von Dr. Härtig vom 09.04.1998. Zitat: "Zunächst versucht Pat., die Problematik ganz auf die Großmutter abzuschieben, die an allem schuld sei, insbesondere auch daran, dass er hier sei." Damit unterstellt Härtig, dass das Opfer die Schuld für das Handeln der Täter trage. Angesichts der oben aufgeführten Fakten klingt dies reichlich zynisch.